Hanf in Rumänien – von der Tradition zur nachhaltigen Zukunft

Bei meinem Roadtrip durch Rumänien, von Bulgarien nach Moldawien, sind wir an so viel wildem Hanf vorbeigefahren, der einfach entlang der Straßen wächst. Obwohl der THC-Gehalt bei wildem Hanf normalerweise sehr niedrig ist (meist unter 0,3 %), ist der Besitz selbst von Pflanzen mit wenig THC illegal, also konnte ich leider nichts davon mitnehmen.

Was mich aber wirklich überrascht hat, war nicht nur der wilde Hanf, sondern auch die Tradition und Geschichte der Pflanze in Rumänien. Wusstest du, dass Rumänien früher einer der größten Nutzhanf-Produzenten in Europa war?

Die Rumänen haben schon lange Hanf angebaut und ihn vor allem für Textilien und die Schifffahrt genutzt, weil die Fasern so widerstandsfähig und robust sind. Doch nach dem Ende des Kommunismus brach die Hanfproduktion erst einmal stark ein.

In den letzten Jahren kommt Hanf in der Textilindustrie wieder ins Gespräch, besonders wegen seiner umweltfreundlichen Eigenschaften. So könnte Hanf auch ein Gegengewicht zum „Fast Fashion“-Trend sein. Bei meiner Suche nach lokalen Textilanbietern fiel mir auf, dass viele zwar rumänisch wirken, aber starke Handelsbeziehungen zu Ländern wie China oder Nepal haben.

Ob es sich dabei um rumänische Unternehmen handelt, die dort produzieren lassen, oder ob sie einfach nur den Standortvorteil Rumäniens mit dem Zugang zum EU-Markt nutzen, bleibt oft unklar.

Früher war Hanf in der Seefahrt unverzichtbar, weil er stark und langlebig ist. Sogar Segel und Fischernetze wurden daraus hergestellt, da Hanf wasserfest ist. Heute wird er jedoch durch synthetische Materialien wie Nylon ersetzt, die leichter und haltbarer sind.

Im Baugewerbe erlebt Hanf aber ein Comeback, vor allem als „Hempcrete“ (Hanfbeton). Dieser Baustoff ist leicht, stabil, bietet eine hervorragende Wärmedämmung und hilft dabei, Feuchtigkeit zu regulieren. Hanfbeton ist resistent gegen Schimmel und Schädlinge und verbessert die Luftqualität. Zudem speichert er CO2, was ihn zu einem besonders umweltfreundlichen Baustoff macht.

Ich denke, dass Rumäniens strikte Drogenpolitik die Nutzung von Hanf erschweren könnte. Trotzdem hat Hanf eine lange Geschichte und während er in der Schifffahrt kaum noch gebraucht wird, sehe ich in der Textil- und Bauindustrie ein wachsendes Interesse an Hanf. Er könnte helfen, eine nachhaltigere Zukunft zu schaffen und gleichzeitig der Wirtschaft einen Schub geben.

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